Dienstag, 18:43 Uhr

Schwangerschaft

Zwischen Freude und Fragen

Matthias Kaufmann ist stolz darauf, Vater zu sein. Zumal er es fast nicht mehr erwartet hatte.

Nach langem Warten und „Üben“ hatten meine Frau und ich fast schon die Hoffnung aufgegeben, Eltern zu werden. Umso größer war mein Freude, als sie mich eines Tages mit der Nachricht überraschte: „Wir sind schwanger.“

Die ersten Wochen waren von Hoffen und gespannter Erwartung, aber auch von dem Bangen geprägt, ob sich unser Baby gut entwickelt. Es war aufregend, zum ersten Mal seinen Herzschlag am Ultraschallgerät mitzuerleben.

Anfangs, solange ich Michaelas Schwangerschaft noch nicht äußerlich wahrnahm, verhielt ich mich zeitweilig nicht so fürsorglich, wie sie sich das vielleicht gewünscht hätte. Das änderte sich, als ich unser Baby durch die Bauchdecke spüren konnte und merkte, dass es auf Musik reagierte. Je länger die Schwangerschaft währte, desto mehr wurde mir bewusst, dass Michaela jetzt besonders meine Hilfe brauchte – und das nicht nur, um schwere Lasten zu heben. Mir war es wichtig, so oft wie möglich bei der Schwangerschaftsgymnastik, beim Säuglingspflegekurs und bei der Auswahl der Entbindungsklinik dabei zu sein.

Einladung zum Gottvertrauen

Vieles ändert sich im Leben von Eltern,wenn sie ein Kind erwarten: das Alltagsleben, das Beziehungsgefüge und die Zukunftsplanungen. Aber auch die Grundperspektiven des Lebens sind von diesem „ganz Neuen“ betroffen. Stärker als zuvor wird vielen werdenden Eltern bewusst, wie sehr das Leben ein Geschenk ist – einerseits wunderschön, beglückend und erfüllend, andererseits aber nicht selbst „machbar“, einklagbar oder mit Garantieansprüchen verbunden. Mütter und Väter stoßen oft an Grenzen und spüren: Bei aller Sorge, Sorgfalt und Vorsorge können sie doch nicht sicherstellen, dass „alles gut geht“, dass ihr Kind gut gedeiht und sich zu einem glücklichen Menschen entwickelt. Das eine ist, elterliche Verantwortung zu übernehmen, und das andere, die eigenen Beschränkungen zu akzeptieren. Dieses Erleben der eigenen Endlichkeit ist immer auch eine religiöse Einladung: Lass dich darauf ein und spüre, dass es einen letzten Halt gibt – auch wenn alles haltlos scheint. Der Sinngrund, aus dem wir Menschen leben, umfängt uns und unsere Kinder auch da, wo wir selber keine Sicherheit bieten können.

Viele Mütter und Väter berichten, dass ihnen gerade an und mit ihren Kindern aufgegangen sei, wie sehr sie selbst Gottes Kinder sind. Und dass sie sich dem anvertrauen dürfen, den wir mit den Worten Jesu „Abba“, Vater, und wörtlich übersetzt eigentlich „Papa“ nennen.

Meine Empfindungen schwankten zwischen Freude und Unsicherheit. Wie wird das Leben mit dem Kind aussehen? Werde ich der Rolle als Vater gerecht werden? Was ändert sich in unserer Partnerschaft? Wie kann ich die berufliche Belastung mit den Anforderungen in der Familie vereinbaren? Künftig würde mehr von meinem beruflichen Erfolg abhängen; da Michaela länger als ein Jahr in Elternzeit gehen wollte, würden wir im Wesentlichen mit einem, meinem Gehalt für die ganze Familie auskommen müssen. Es beruhigte mich, als ich im Geburtsvorbereitungskurs und im Bekanntenkreis erfuhr, dass andere werdende Väter ebenso unsicher waren. Wie kann ich meiner Partnerin bei der Geburt helfen? Wie kann ich sie bei den vorbereitenden Übungen unterstützen? Solche Fragen beschäftigten offensichtlich nicht nur mich.

Gegen Ende der Schwangerschaft erlebte ich Michaela als launisch und schwierig. Ich wusste zwar, dass solche Stimmungen in den gesamten neun Monaten nicht ungewöhnlich sind. Gleichwohl war ich manchmal auch ziemlich genervt und habe nicht immer verständnisvoll reagiert.

Nie vergessen werde ich die Spannung beim Warten auf die Wehen. Ich wolle unbedingt bei der Geburt dabei sein. Sie wurde für mich zum beeindruckendsten Erlebnis in meinem bisherigen Leben.

Niklas’ Geburt hat unser Leben sehr bereichert und die Gewichte verschoben. Der lange Kampf darum, dass er Michaelas Brust nahm, das Herumtragen, wenn er wegen Blähungen schrie – das waren Momente, die uns sehr forderten. Heute freue ich mich darüber, wie Niklas die Welt entdeckt. Das erste „Mama“ und „Papa“, die ersten freien Schritte – das mitzuerleben lässt mich meinen beruflichen Alltag vergessen. Ich bin stolz, Vater zu sein.

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