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“Hä? Wie war das? Ich verstehe nur Bahnhof!” So ging es mir, als mein Sohn mir seine Lieblingsmannschaft beim Fußball zocken erklärt hat. Als er mich dann noch fragte, welche Spieler ich in einer Mannschaft zusammenstellen würde, um möglichst erfolgreich bei der EM zu sein, war es ganz vorbei. Ich habe nichts, wirklich gar nichts verstanden von dem, was er mir sagen wollte. Wer am besten flanken kann, welche Spieler am besten kombiniert werden können und wer eine sogenannte Legende ist. Wenn es um Fußballsprache geht, kann ich nicht so gut mitreden, da bin ich nicht fit genug. Doch ich würde so gerne kapieren, was mein Sohn mir erklären will. Ganz schön frustrierend.

Manchmal verstehe ich die Welt nicht (mehr). Ich kann nicht mitreden, weil ich mich nicht gut genug in einem Thema auskenne oder etwas nicht weiß. Vielleicht kennt das jemand von euch auch? Mit Geduld und genauem Zuhören (oder Zuschauen) erschließt sich das ein oder andere. Manchmal blicke ich aber auch dann noch nicht durch. Oder eine Sache interessiert mich doch nicht so sehr, dass ich einen Zugang dazu finde. Vielleicht wisst ihr nicht so genau, was Papa oder Mama bei der Arbeit machen. Eure Eltern haben vielleicht wenig Ahnung von den Themen, die bei euch wichtig sind (Serien, Stars, Sammelkarten, ...).

Es gibt auch noch andere Gründe, sich nicht zu verstehen: Ich habe eine Weile in Südamerika gelebt, wo alle Spanisch sprechen und da war es oft so: Ich habe etwas nicht richtig verstanden und dann haben die Personen, mit denen ich gesprochen habe, mir den gleichen Satz noch einmal lauter gesagt. Das hat mir nicht geholfen, wenn ich die Bedeutung der Wörter nicht kannte.
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Viele Menschen tun sich mit Sprache schwer.
Weil sie die deutsche Sprache erst lernen müssen.
Wenn sie nicht gut hören können.
Da sie manche Wörter nicht gut verstehen.
Eine einfache und klare Sprache hilft diesen Menschen.
Für diese Sprache gibt es Regeln.

Diese Regeln könnt ihr hier nachlesen:
www.ogy.de/leichte-sprache

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Wir sprechen in unserer Familie zwar alle die gleiche Sprache, aber manchmal verstehen wir uns nicht. Wie kann gutes Verstehen in der Familie also gelingen? Was hilft, damit alle einander gut verstehen?

In meiner Familie brauchen wir dazu eine Zeit ohne Ablenkung. Oft sitzen wir dann auf der Couch im Wohnzimmer oder am Esstisch. Wir hören uns aufmerksam zu und jede:r versucht, ihre/seine Sicht der Dinge zu erklären, damit wir einander besser verstehen können. Alle sind gleich wichtig. Alles darf gesagt werden. So haben wir schon geplante Ausflugstage umgeworfen, weil wir gemerkt haben: eigentlich will gar niemand in das Museum. Uns gefallen Sonne, Wasser und Spielplatz heute viel besser.

Jetzt möchte ich euch noch erzählen, wie mein Sohn und ich das hinbekommen haben mit dem Fußball. Wir haben so getan, als käme ich von einem anderen Planeten und würde das Spiel gar nicht kennen. Und dann hat er mir erklärt, wie es geht. Mit den Fachbegriffen, mit seinen Lieblingsspieler:innen und auch, warum es ihm Spaß macht. Danach haben wir gemeinsam eine Runde gespielt. Das war mega!

eure Kerstin und Prisca

Und dann gibt es Momente, in denen es egal ist, ob ich etwas kompliziert oder leicht sage, weil es noch eine Art Sprache gibt, die wir in unserer Familie verstehen! Wenn ich meiner Tochter morgens, bevor sie zur Schule geht, einen Abschiedskuss auf die Stirn gebe … Wenn ich meinem Sohn aufmunternd auf die Schulter klopfe … Da brauche ich gar keine Worte, um z.B. zu sagen „Du bist mir wichtig!”.


Wir stellen euch Ideen vor, um mit Sprache zu spielen. Sucht euch das aus, was euch gefällt:

Zungenbrecher
"Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen, die sich in die Rippen stippen, bis sie von den Klippen kippen."
"Unter einer Fichtenwurzel hör ich einen Wichtel furzen."

Geheimsprache ausprobieren
Vielleicht wollt ihr auch manchmal nicht verstanden werden und es gibt besondere Wörter, die nur ihr in eurer Familie versteht. Wie eine Geheimsprache. Kennt ihr das? Erzählt euch doch diese Wörter und überlegt, wie sie entstanden sind! Die Räubersprache kommt von Kalle Blomquist, dem Meisterdetektiv aus den Büchern von Astrid Lindgren. Jeder Konsonant wird dabei verdoppelt und ein ‚o‘ dazwischen gepackt. ‚Mega‘ heißt dann also M-o-m e g-o-g a?

Dialektwörter erforschen
Überlegt gemeinsam und/oder fragt doch mal eure Freunde, Nachbarn, Großeltern, welche Wörter für die Gegend, in der ihr wohnt, besonders sind. Ich glaube, es gibt ganz viele Wörter für das erste/letzte Stück eines Brotlaibs (bei uns nennen wir es Giegel) oder auch für die Aufbewahrung von Stiften (bei uns heißt das Mäppchen).
UnserLinktipp dazu: www.ogy.de/dialekt

Eine fast lautlose Sprache: Gebärdensprache
Eine ganz andere Art von Sprache ist die Gebärdensprache. Sie ist nämlich eine Sprache, die ich sehen kann. Mit den Händen, dem Gesichtsausdruck und einfachen Geräuschen wird in der Gebärdensprache gesprochen. Vor allem für Menschen, die nur schwer oder gar nicht hören können, ist sie die Sprache, die sie verstehen und sprechen können. Wir haben eine biblische Geschichte in Gebärden ausgesucht, die in diese Zeit passt.
Schaut sie euch doch an:

Guter Gott,
Es kann ganz leicht sein,
sich zu verstehen.

Se tbig Etnemom, ad tgnileg se snu thcin!

Lass uns verstehen wollen.
Hilf uns,
dass wir es immer wieder ausprobieren.

Und hilf,
dass wir es leichter miteinander haben.


(Den "Bettkantenimpuls" für diese Woche findet ihr unter: www.elternbriefe.de/7wochenweiter)

Erst später zur Aktion dazu gestoßen? Hier ist der erste Briefe: Brief 1

Foto: pixabay.com, Illustration: Patrick Schoden