Donnerstag, 15:53 Uhr

Krieg in der Ukraine

Der Krieg in der Ukraine: Was Eltern jetzt tun können

Der Krieg in der Ukraine: Was Eltern jetzt tun können
Foto: faithfinder06 auf Pixabay

Der Krieg in der Ukraine macht auch vielen Menschen bei uns Angst. Vor allem Kinder brauchen jetzt Unterstützung. Was dabei wichtig ist und wie Eltern auf Fragen reagieren können, beschreibt der Theologe und Erzieher Christian Huber. Ein Beitrag unseres Kooperationspartners „Don-Bosco-Magazin“.

Die Geschehnisse in der Ukraine, die Bilder, die wir in den Nachrichten sehen oder auch von Freunden oder Verwandten weitergeleitet bekommen, machen uns fassungslos. Während wir alle dachten und hofften, dass Krieg in Europa der Vergangenheit angehört, sind wir auf einmal in einer völlig neuen Realität aufgewacht. Diese Tatsache macht vielen Menschen Angst. Das ist nur allzu gut nachvollziehbar.

Viele Kinder haben bereits gemerkt, dass etwas anders ist, haben im Autoradio gehört, dass Krieg herrscht, oder entsprechende Gespräche mitbekommen. Bei anderen Kindern ist dies noch nicht der Fall. Das kann sich aber natürlich früher oder später ändern. Ähnlich wie etliche Menschen beispielsweise aus Syrien, Afghanistan oder vielen anderen Ländern finden immer mehr Familien, die aus der Ukraine flüchten mussten, bei uns eine neue Heimat. Sie werden neue Freundschaften knüpfen und ihre Geschichten und Erlebnisse, ihre Erinnerungen und Bilder werden Teil dieser Freundschaften sein.

Wie sich Ängste bei Kindern zeigen

Das Thema Krieg löst sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern Ängste aus. Bei Kindern können sich diese Ängste auf unterschiedliche Weise zeigen: Konzentrationsprobleme, Albträume, Gereiztheit oder auch ausgeprägte Anhänglichkeit können solche Anzeichen sein. Vielleicht malen oder spielen Kinder auch plötzlich anders.

Ich möchte zunächst kurz beschreiben, wie ich die Thematik in der Kita bzw. in der Gruppe angehe und anzugehen rate. Es gibt, wie ich finde, keinen Zweifel daran, dass der Krieg nicht Gegenstand des Stuhlkreises oder Ähnlichem sein kann. Das würde das Thema zwangsläufig allzu präsent machen und es wäre unmöglich, jedes einzelne Kind in dem Umfang aufzufangen, wie es ein derartiges Thema erfordert. So gut es gemeint wäre: Es könnte ungute Folgen haben. Ängste könnten ausgelöst oder verstärkt werden – zumal, weil auch einige Eltern für sich entschieden haben, das Thema anders oder gar nicht aufzugreifen. Kinder sind, besonders im Kontext mit Ängsten, ausgesprochen sensibel. Sie sollten nicht noch mit der Frage belastet werden, wer nun Recht hat: Eltern oder Betreuende.

Was Eltern jetzt tun können: Zuhören, Dasein, Begleiten

Wie können nun Sie als Eltern Ihre Kinder am besten unterstützen?

  • Das Wichtigste, was Sie für Ihre Kinder jetzt tun können: Zuhören, Dasein, Begleiten.
  • Die oben geschilderten Ängste und Reaktionen sind zunächst normal. Auch Kinder brauchen Ventile, mit Hilfe derer sie ihre Gedanken verarbeiten können. Sprechen Sie Ihre Kinder an, wenn Sie das Gefühl haben, dass es ihnen nicht gut geht. Vertrauen Sie auf Ihr Gefühl, Sie kennen Ihre Kinder am besten. Sollten sich derartige Wesensveränderungen jedoch verstärken oder auffällig lange anhalten, kann es sinnvoll sein, professionelle Hilfe zu suchen.
  • Achten Sie zu Hause darauf, was Ihre Kinder, je nach Alter, zu hören und zu sehen bekommen! In diesen Tagen kann ein nebenbei laufender Fernseher zum Problem werden. Ein unachtsamer Moment und die Kinder sehen tragische Bilder und hören Einzelheiten, die sie überfordern können. Vielleicht ist es auch ratsam, das Autoradio nicht wie gewohnt einfach laufen zu lassen, wenn Kinder im Auto sitzen.
  • Häufig stellen Kindern Fragen. Was heißt Krieg? Warum gibt es Krieg? Passiert uns jetzt auch etwas? Wird der Krieg auch zu uns kommen? Auch hier gilt: Sie kennen Ihre Kinder. Vertrauen Sie auf sich und entscheiden Sie, wie Sie diese Fragen beantworten möchten.
  • Beantworten Sie die Fragen der Kinder kurz und knapp: Wahrheit ja, aber nicht die vollen und ausführlichen Einzelheiten.
  • Fragen Sie sich, ob Sie wirklich mit Vergleichen antworten wollen. Haben wir wirklich Vergleichssituationen, die unsere Kinder mit ihrer Lebenswirklichkeit verknüpfen können? Manche unserer Kinder gewiss, andere Gott sei Dank nicht. Auch und gerade der Vergleich mit einem Streit ist nicht empfehlenswert. Ein Streit ist kein Krieg. In unseren Familien erleben wir manchmal Streit, auch Kinder streiten manchmal, aber sie führen keine Kriege. Niemand kann wollen, dass Kinder ihre Ängste und Befürchtungen wegen des Krieges mit dem alltäglichen Phänomen Streit in Verbindung bringen.
  • Stellen Sie ruhig auch Gegenfragen, wenn Ihnen Kinder ihre Befürchtungen mitteilen. Was weißt du darüber? Was macht dir Sorgen?
  • Das wichtigste bei diesen Gesprächen ist: Nehmen Sie die Ängste der Kinder ernst. Versichern Sie Ihnen, dass die Erwachsenen alles tun, um sie zu beschützen.
  • Die Erwachsenen, vor allem die Eltern sind es, die Kindern Sicherheit vermitteln. Sie sind der Fels in der Brandung, wenn alles zu wackeln scheint. Behalten Sie daher mögliche eigene Ängste vor allem jungen Kindern gegenüber für sich.
  • Achten Sie auch auf sich selbst! Nehmen Sie Ihre eigenen Befindlichkeiten ernst, sorgen Sie auch für ihr eigenes seelisches Wohl. Sprechen Sie zum Beispiel mit Vertrauten über Ängste und Sorgen. Finden Sie etwas für sich, was Ihnen in diesen Zeiten Trost und Halt gibt. Nur so können Sie auch Kindern eine Unterstützung sein.

Dieser Beitrag im Don-Bosco-Magazin

Das Don-Bosco-Magazin ist die Familienzeitschrift der Salesianer Don Boscos und der Don Bosco Schwestern. Das Magazin erscheint online und gedruckt (kostenlos).
Mehr unter: Don-Bosco-Magazin

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