
„Springst du etwa bei jedem Weinen?“ – Viele junge Eltern kennen solche schnell dahin gesagten Sätze aus ihrem Umfeld. Und sie spüren den Vorwurf dahinter. Häufige Anlässe, um vor „Verwöhnfallen“ zu warnen, sind auch die Schlafgewohnheiten oder das Stillen nach Bedarf. Die Folge ist oft Verunsicherung: Mache ich was falsch, wenn ich mein Baby rasch hochnehme? Oder wenn ich meine Arbeit unterbreche, weil es vielleicht Bauchschmerzen hat?
Kinder abzuhärten, um sie auf das „raue Leben“ vorzubereiten, galt lange als Erziehungsideal. Rigorose Vorgaben der Eltern sollten Kindern von Geburt an deutlich zeigen, was geht und was nicht. Doch diese Annahmen sind längst widerlegt: Eltern können ihr Baby in den ersten Lebensmonaten überhaupt nicht im negativen Sinne verwöhnen.
Jeder Grashalm hat seinen Engel, der sich über ihn beugt und flüstert: „Wachse, wachse ...“
aus dem Talmud
Denn: Das Baby ist von seinen Eltern (oder anderen Bezugspersonen) ganz und gar abhängig. Nur sie können seine Bedürfnisse, beispielsweise nach Nahrung oder Zuwendung befriedigen. Wenn die Eltern darauf zuverlässig, prompt und angemessen reagieren, lernt das Kind: Mein Handeln bewirkt etwas. Je sicherer es jetzt erfährt, dass seine Bedürfnisse nicht zu kurz kommen, desto besser kann es später darauf warten.
Das bedeutet für Eltern nicht, immer und in jeder Minute für ihr Kind „springen“ zu müssen. Zumal sie sehr bald zu unterscheiden lernen, was das Schreien ihres Babys in der jeweiligen Situation signalisiert. Für ein Baby heißt das: Die Verbindung zu Mama oder Papa „steht“. Ich kann mich sicher und geborgen fühlen und dem Leben trauen.

Diese Frage stellen sich viele Eltern immer wieder. Die Vorsorgeuntersuchungen in der Kinderarztpraxis liefern verlässliche Antworten darauf. Auch Entwicklungstabellen geben Anhaltspunkte. Wichtig zu wissen: Sie zeigen immer einen Zeitrahmen an, in dem ein Entwicklungsschritt erfahrungsgemäß verläuft. Die kindliche Entwicklung innerhalb dieser Zeitspannen verläuft ganz individuell. Je nach Umfeld, Temperament und „Typ“ entwickeln sich Fertigkeiten und Fähigkeiten in einer etwas anderen Reihenfolge und in unterschiedlichem Tempo. Und es kann auch sein, dass vorübergehend eine Verlangsamung oder ein vermeintlicher „Rückschritt“ erfolgen, wenn das Kind in anderen Bereichen gerade große Fortschritte macht. Es nutzt seine Energie für einen spezifischen „Entwicklungsschub“.