Freitag, 07:32 Uhr

Schule

Mobbing im Klassenzimmer

Zuerst ist es nur eine Spöttelei über den „Babytornister“. Kinderkram! Dann gehen Federmäppchen und Trinkflasche verloren. Schusselei? Aber warum wirkt das Kind neuerdings so bedrückt, geht es so mürrisch zur Schule, meidet es Kontakte zu Gleichaltrigen? Spätestens jetzt müssen Eltern hellhörig werden. Mobbing auf dem Schulhof?

Klar: So etwas gab es immer schon. Dass Kinder über andere tuschelten – so, dass die Betroffenen es sehr wohl merkten. Dass sie andere hänselten, beim Schulsport nur auf Anordnung des Lehrers in ihrer Staffel duldeten und hämisch erklärten: „Dich lade ich nicht zum Kindergeburtstag ein.“ Die Opfer waren oft Kinder, die irgendwie anders waren: die Dicken, die Neuen, die Braven. Vor allem: die Wehrlosen. Von „Mobbing“ sprach damals noch niemand. Vielmehr hieß es: So sind Kinder eben.

Nein, so sind sie nicht. Und inzwischen hat sich herumgesprochen: Mit harmlosen Hänseleien hat systematisches Mobbing nichts zu tun, erst recht wenn das Internet die Wirkung vervielfacht. Die ausgegrenzten Kinder leiden massiv. Viele haben Alpträume oder „unspezifische“ Bauchschmerzen; ihr Selbstbewusstsein geht gegen Null, die Schulleistungen lassen nach. Alleine kommen sie da nicht heraus; sie brauchen Hilfe.

Was Eltern tun können:

  • zuhören. Gerade jetzt müssen Kinder spüren: Meine Eltern nehmen meinen Kummer ernst und stehen hinter mir. Vorsicht deshalb mit Verhaltenstipps; sie könnten bei den Kindern den Eindruck wecken, dass sie bisher etwas falsch gemacht haben und selbst an ihren Problemen schuld sind.
  • das Selbstvertrauen der Kinder stärken. Dazu gehören Aufgaben in der Familie, an denen sie sich bewähren können, sowie Interesse und Anerkennung für ihre Hobbys. Auch ein Selbstsicherheitstraining kann helfen.
  • die Klassenlehrerin informieren. Das soziale Klima in den Klassen ist Sache der Schule! Je sachlicher und vorwurfsfreier Eltern dabei ihre Beobachtungen und Sorgen schildern, desto eher lassen sich Lehrkräfte ins Boot ziehen.

Dagegen raten Fachleute davon ab, die Mobber oder deren Eltern direkt zur Rede zu stellen. Möglicherweise fühlen sich manche dadurch sogar herausgefordert, ihre Attacken auf das „Mamakindchen“ noch zu verstärken.

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