Donnerstag, 16:10 Uhr

Babys schreien

Keine Angst vor Babytränen

Ein weinendes Baby kann uns zutiefst berühren. Wir folgen unserem natürlichen Impuls, sofort darauf zu reagieren. Hat die Kinderärztin oder der Kinderarzt körperliche Ursachen ausgeschlossen und das Baby schreit scheinbar ohne erkennbaren Grund, fühlen sich viele stark verunsichert. Tatsächlich ist Weinen eine der wichtigsten Ausdrucksformen von Babys. Etwa jedes 5. Baby schreit in den ersten Lebensmonaten besonders viel. Fachleute sprechen dann von Regulationsstörungen. Das klingt dramatischer, als es ist: Dein Baby braucht noch ein bisschen Zeit, um anzukommen. Rund um die 6. Woche erreicht die Schreiintensität ihren Höhepunkt. Nach 3-4 Monaten sind die meisten Babys deutlich ausgeglichener.

Wieso schreit mein Baby?

Babys schreien nicht nur aus Hunger, Müdigkeit oder wegen voller Windeln. Schreien ist auch ein Weg, intensive innere Spannungen zu verarbeiten. Gerade in den ersten Lebensmonaten ist das Nervensystem noch unreif. Viele Eindrücke (auch die ruhigen) können Babys überfordern. Besonders gegen Abend schreien Babys manchmal stundenlang untröstlich, obwohl alle gängigen Bedürfnisse befriedigt wurden. Babys nutzen das Schreien dann als Selbsthilfe, um innere Spannungen loszuwerden.

Wie hilfst du deinem Baby?

Manchmal möchte dein Baby von seiner inneren Verfassung „erzählen“, ohne eine Lösung zu erwarten. Dann hilft es, einfach nur da zu sein: Körperliche Nähe, sanftes Tragen, gemeinsames Atmen oder leise Worte. Es geht nicht darum, einen „Aus“-Knopf für dein Baby zu finden. Ziel ist, das Weinen liebevoll zu begleiten. Du bist dann der Leuchtturm für dein Baby, der auch in stürmischen Zeiten geduldig den Weg zeigt.

Babys spüren unsere Gefühle

Babys sind feinfühlig. Sie reagieren stark auf die emotionale Verfassung ihrer Bezugspersonen. Es kann sein, dass dich das Schreien erschöpft, anspannt, überfordert oder verzweifeln lässt. Deshalb lohnt es sich, gut für sich selbst zu sorgen. Denn je stabiler und ruhiger du bist, desto eher kann sich dein Baby beruhigen. Es ist normal, dass dir das nicht immer gelingt. Überlege dir, welche Auszeiten du brauchst, um Kraft zu tanken und wer dich entlasten kann: Familie, Freund:innen oder Schreibaby-Sprechstunden.

Bei der Suche nach einer Schreibaby-Ambulanz oder Sprechstunde hilft das Nationale Zentrum Frühe Hilfen im Internet: www.elternsein.info/suche-schreiambulanzen.

Oliver Elbers 
ist Dipl.-Pädagoge, EEH®-Fachberater,

Entwicklungspsychologische Beratung 
(Ulmer Modell)
und leitet die Schreisprechstunde an der Elternschule
und Gesundheitszentrum der St. Barbara-Klinik Hamm GmbH

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