Donnerstag, 16:11 Uhr

Die Achterbahn des Lebens

Paar bleiben im ersten Babyjahr

Eltern sein und Paar bleiben

Das Jahr nach der Geburt eines Kindes ist eine aufregende Achterbahnfahrt voll neuer Erlebnisse und Herausforderungen. Inmitten von Babygeschrei, Windeln und der „Folter“ schlafloser Nächte gerät die romantische Beziehung leicht ins Hintertreffen. Ausgerechnet jetzt kann sich jedoch entscheiden, was die Beziehung auf lange Sicht tragfähig oder brüchig werden lässt. In diesem Auf und Ab ist es nicht einfach ein Paar zu bleiben. Doch schon einige – wissenschaftlich belegte – Regeln helfen, die Beziehung auf dieser Reise des Lebens frisch zu halten.

Kommunikation: Paare erfahren eine höhere Beziehungszufriedenheit, wenn sie ihre Erwartungen und Sorgen teilen. Erleben sich Eltern als Team und nicht als „Einzelkämpferin“ / “Einzelkämpfer“, werden sie sich lebenslang daran erinnern! Nehmt euch also Zeitfenster füreinander. Gemeint ist nicht der kurze Wortwechsel, während ihr eurem geliebten „Schreihals“ bewundernd beim Nickerchen zuschaut. Verabredet euch vielmehr zum Abenteuer „Gespräche ohne Kinderthemen“. Entscheidend ist der Austausch, wenn es – für kurz oder länger – nur euch beide gibt. Übrigens: auch euer Freundeskreis wird solche Momente zu schätzen wissen.

Edelstein

In der Kirche

Mit dem Kinderwagen kam ich heute an einer Kirche vorbei. Die Tür stand offen ... Ich schob den Wagen hinein und setzte mich in eine Bank. Und spürte, wie die Stille dieses Raums mich mit jedem Atemzug mehr erfüllte. Beim Hinausgehen zündete ich eine Kerze an. Unsere kleine Familie soll behütet und gesegnet sein.

Paul, 30

Intimität und Erotik: Beides ist in dieser Zeit oft schwierig zu leben. Umso wichtiger sind körperliche Berührungen, die nachweislich Stress reduzieren und die Bindung erhalten. Schon kleine Gesten wie ein Kuss, eine Umarmung oder zwischendurch kurz kuscheln, tragen nachweislich dazu bei, sich nahe zu bleiben.

Aufteilung aller Aufgaben als Schlüsselaspekt: Eine To-do-Liste für den Alltag, aber auch für das große Ganze und dessen faire Verteilung sorgen für Zusammenhalt und beugen Unzufriedenheit vor.

Zeit nehmen für sich und gegenseitig kleine Fluchten ermöglichen: Pflegt eure Interessen und Hobbys. So fühlt ihr, dass es mehr gibt als „nur“ Mutter- und Vatersein und könnt dann andere Energie in die Partnerschaft einbringen.

Unterstützung von außen holen: Zögert nicht, Vertraute um Hilfe oder um eine Auszeit zu bitten (z. B. Spaziergang mit dem Baby unternehmen). So entstehen Zeitfenster für Erholung und alle oben genannten Aspekte.

Die Achterbahnfahrt des Lebens im ersten Babyjahr ist sicher kein „Kinderspiel“. Die genannten Ideen helfen euch bei der Bewältigung und tragen dazu bei, dass Ihr Euch nahe bleiben könnt.

Dr. Peter Wendl 
ist wissenschaftlicher Projektleiter am Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, 
Diplom-Theologe; Einzel-, Paar- und Familientherapeut; Traumafachberater,
www.peter-wendl.de

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