Donnerstag, 19:08 Uhr

Mamas & Papas erzählen

Aus dem Nest gefallen

Nein, einen guten Start hatte Lea wirklich nicht. Schon während der Schwangerschaft mit unserer zweiten Tochter musste ich mehrmals wochenlang ins Krankenhaus. Ultraschallaufnahmen deuteten auf schwere Missbildungen und eine Unterentwicklung des Fötus hin. Man legte uns nahe, auf schwangerschafts-erhaltende Maßnahmen zu verzichten.

Ich fühlte mich wie in einem tiefen schwarzen Loch. Neben der ständigen Sorge plagten mich auch Schuldgefühle unserer älteren Tochter gegenüber. Sie war damals erst ein Jahr und musste während der Arbeitszeiten meines Mannes von Haushaltshilfen versorgt werden. 

Das Schlimmste aber war die Angst: Wie schwer wird unser Kind behindert sein? Wird es leben können? Ohne den ständigen Beistand meines Mannes, meiner Mutter und meiner beiden Schwestern hätte ich das nicht durchgehalten.

Fünf Wochen vor dem errechneten Termin entschieden sich die Ärzte zu einem Kaiserschnitt. Im Kreißsaal bat ich die Hebamme, unser Kind bei akuter Lebensgefahr sofort notzutaufen. Mein Mann durfte während der Entbindung dabei sein. Auch er war extrem angespannt. Und dann hörte ich einen der Ärzte sagen: „Fit wie ein Turnschuh!“ Unsere Erleichterung und unsere Freude waren grenzenlos.

Atempause

Wundervoll

Geschenk und Herausforderung

jeder Tag neu

Freude und Überforderung

so ist unser Leben

Kerstin Steffe

Nach der Geburt begann für uns eine besondere und intensive Zeit. Als Frühchen mit nur 1260 g Geburtsgewicht kam Lea sofort auf die Frühgeborenen-Intensivstation. Dort wurde sie an Überwachungsgeräte, Infusionen und Schläuche angeschlossen. Wegen einiger gesundheitlicher Probleme folgte eine Untersuchung der anderen. Die Alarme des Herz- und Atmungsmonitors brachten uns fast um den Verstand, auch wenn sie sich Gott sei Dank meist als Fehlalarme erwiesen.

Wie glücklich waren wir, von Anfang an viel Körperkontakt mit Lea haben zu dürfen. Nach drei Monaten war sie endlich so stabil, dass sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde.

Damals wussten wir noch nicht, wie Lea sich entwickeln würde. Sie brauchte intensive physiotherapeutische Behandlungen, die wir auch zu Hause viermal täglich durchführen mussten. Und jahrelang spritzten wir ihr jeden Tag Wachstumshormone.

Mit eineinhalb Jahren lernte Lea laufen und fing an zu sprechen. Sie war immer etwas kleiner als andere Kinder ihres Alters. Inzwischen ist der holprige Start längst Vergangenheit: Lea ist ein fröhliches und selbstbewusstes Kind. Schritt für Schritt geht sie ihren Weg.

Julia, 45

Rat und Hilfe

Welche Kinderarztpraxis hat Erfahrung mit Frühchen? Wo finden wir die nächste Eltern-Selbsthilfegruppe? – Antworten auf diese Fragen und viele weitere hilfreiche Informationen finden Eltern beim Bundesverband „Das frühgeborene Kind“: 
www.fruehgeborene.de und beim 
Familienportal des Bundesministeriums BMBFSFJ www.familienportal.de/ 
(Frühgeborene).
Beim Bundesverband gibt es auch die „Nummer gegen Frühchen-Kummer“ Tel. 0800 – 875 877 0 (kostenlos).

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