Sonntag, 17:03 Uhr

PRÄNATALE DIAGNOSTIK

Das Ungeborene im Blick

Vorgeburtliche Untersuchungen bergen viele Chancen — trotzdem gibt es einiges zu bedenken.

„Wir bekommen ein Kind!“ - Neben die erste Freude tritt oft auch die Sorge: Wird alles gut gehen? Was ist, wenn es krank oder behindert ist? Für diese – manchmal nagenden – Fragen bietet die Medizin eine ganze Reihe vorgeburtlicher Untersuchungen an. Letztlich kann kein Test ein gesundes Kind garantieren. Es lohnt sich daher, die möglichen medizinischen Untersuchungen genauer anzuschauen.

Die Richtlinien zur Schwangerenvorsorge sehen regelmäßige Untersuchungen vor. Dabei werden auch drei Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, um das genaue Entwicklungsalter des heranwachsenden Kindes zu bestimmen, seine äußere Körperform zu betrachten und die Struktur der inneren Organe zu untersuchen. Die allermeisten Befunde sind dabei glücklicherweise völlig unauffällig. Sollte sich jedoch ein Verdacht ergeben, könnte eine weiterführende Untersuchung, beispielsweise eine spezialisierte Ultraschalluntersuchung, unter Umständen empfohlen werden.

Die Medizin bietet auch Untersuchungen von Chromosomenstörungen oder genetischen Anomalien an. Hierzu gehören die sogenannte Ersttrimester-Diagnostik, die Fruchtwasseruntersuchung und die Chorionzottenbiopsie. Bei Risikoschwangerschaften oder bei einem auffälligen Befund können zudem sehr früh Hinweise auf bestimmte Chromosomenstörungen oder andere Komplikationsmöglichkeiten durch eine Blutuntersuchung bei der schwangeren Frau selbst gefunden werden (NIPT). Viele Erkrankungen lassen sich jedoch trotz dezidierter Untersuchung nicht nachweisen, etwa geistige Behinderungen, Stoffwechselerkrankungen oder körperliche Behinderungen. Deshalb bleibt für die Eltern selbst mit pränataler Diagnostik ein Basisrisiko, dass Krankheiten oder Behinderungen ihres Kindes erst nach der Geburt festgestellt werden.

Wenn alles anders kommt …

Bei einer Fehlgeburt / Totgeburt können Schwangerschaftsberatungsstellen, Trauerbegleiterinnen und Familienseelsorger helfen, mit der Trauer umzugehen. Ansprechpersonen vermitteln auch der Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland (www.veid.de) und die Initiative Regenbogen (www.initiative-regenbogen.de).

Manche Frauen geraten durch die Geburt ihres Kindes in eine seelische Krise. Die Initiative Schatten und Licht bietet Informationen und Unterstützung (www.schatten-und-licht.de).

Bei Fragen rund um Erkrankungen ungeborener Kinder unterstützt der Bundesverband zur Begleitung von Familien vorgeburtlich erkrankter Kinder (BFVEK e. V.) betroffene Familien (www.bfvek.de).

Die pränatale Diagnostik bietet in vielen Fällen Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung bereits vor der Geburt.   Durch die vorgeburtlichen Untersuchungen haben heute viele Kinder gute Überlebens- und Entwicklungschancen, die früher unweigerlich gestorben wären. Der Wunsch der Eltern nach Gewissheit über die Gesundheit ihres Kindes ist nachvollziehbar. Wenn bei der pränatalen Diagnostik aber eine schwere Krankheit oder Behinderung nachgewiesen wird, bedeutet dies eine sehr krisenhafte, enorme Belastung. Einerseits können die werdenden Eltern dann zwar versuchen, sich schon früh auf das Leben mit ihrem Kind vorzubereiten. Andererseits müssen sie sich – neben eigenen Zweifeln, ob sie dieser Aufgabe gewachsen sind – womöglich mit Ärzten, Verwandten, Kollegen oder gar einem Partner auseinandersetzen, die ein behindertes Kind als „unzumutbar“ empfinden und eine Abtreibung für die „gebotene“ Lösung halten. Schwangerschaftsberaterinnen empfehlen deshalb dringend, die pränatale Diagnostik nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern sich vorher gründlich über deren Chancen, Grenzen und mögliche Folgen zu informieren.

Dabei kann es helfen, sich mit einigen Fragen auseinanderzusetzen:

  • Welches Risiko ist uns die Untersuchung wert?
  • Welche Konsequenzen würden wir aus einer auffälligen Diagnose ziehen?
  • Wie gehen wir mit der Unsicherheit bis zum endgültigen Ergebnis um? Was bedeutet das für die Beziehung zu unserem Kind?
  • Was würde es für uns bedeuten, wenn wir ein krankes oder behindertes Kind bekämen?

Bei all den Fragen und Informationen rund um die medizinischen Untersuchungen bleibt es wichtig, auch den eigenen Gefühlen Raum zu geben. Es muss Platz sein für: „Ich brauche Zeit, alles in Ruhe ein- und zuzuordnen.“ – „Ich habe noch Fragen.“ – „Das habe ich nicht verstanden.“ – „Die Ungewissheit macht mir Angst.“

Zuletzt gilt bei allem Verständnis für den Wunsch nach einem gesunden Kind: Das Lebensrecht und das unbedingte Schutzbedürfnis des Kindes lassen sich nicht zum Gegenstand von Abwägungen machen. Ein Kind zu erwarten bedeutet immer auch, die Grenzen des menschlich Machbaren zu erkennen und die Ungewissheiten des Lebens zu akzeptieren. Ängste davor lassen sich nicht „weg-untersuchen“. Hilfreich sind oft gerade auch Gespräche mit einem verständnisvollen Partner, mit Freundinnen, einer Hebamme, einer Schwangerschaftsberaterin oder einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin.

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