Donnerstag, 17:08 Uhr

Babyblues

Auf der Achterbahn der Gefühle

Darüber reden alle: das immense Glücksgefühl, das Baby endlich in den Armen zu halten, den Stolz, die Geburt gemeistert zu haben, die Erleichterung, dass Mutter und Kind wohlauf sind. Aber es gibt auch die Schattenseite: den Baby-Blues, den viele Frauen im Verborgenen durchleben. Vielleicht weil ihre Erfahrung nicht zu den Erwartungen der Mitwelt an das „freudige Ereignis“ passen will, vielleicht auch, weil die Frauen sich selbst kaum verstehen: „Ich fühlte mich total dünnhäutig; die Tränen liefen mir ständig übers Gesicht, ohne dass ich einen Grund dafür fand.“

Eine Haupt-Ursache für das Stimmungstief nach der Geburt ist ein abrupter Wechsel im Hormonhaushalt. Für die Versorgung des Babys, das Stillen, braucht der Körper einen anderen Hormoncocktail als für die Schwangerschaft. Gleichzeitig wirkt die Anstrengung der Geburt als tiefe Erschöpfung nach. Die Folge ist eine Achterbahnfahrt von Gefühlen: Einerseits beschreiben viele Frauen die Geburt als das intensivste emotionale Ereignis ihres Lebens, als überwältigendes Glücksgefühl; andererseits spüren viele (Versagens-)Ängste, Enttäuschungen und Verlust:

Atempause

Am ersten Tag

Was ich am ersten Tag meines Lebens
schon alles gemacht habe:

Ich bin auf die Welt gekommen,
habe meine Mutter und meinen Vater
zu Eltern gemacht und die Eltern
meiner Eltern zu Großeltern.

Viele meiner künftigen Mitmenschen
habe ich glücklich gemacht,
einige stolz, andere ängstlich,
einige neugierig (auf mein Geschlecht),
andere besorgt um mein Wohl.

Und das alles mit lautem Gebrüll
nach neun Monaten Warten.

So bin ich!
Eure Tochter/Euer Sohn

Conrad M. Siegers

  • „Ich vermisste meinen Bauch. Es kam mir vor wie ein unendlicher Verlust.“
  • „Ich war (nach einem Kaiserschnitt, d. Red.) so enttäuscht, dass ich mein Kind nicht normal zur Welt bringen konnte.“
  • „Ich hatte mir das Gefühl so wunderbar vorgestellt, mein Baby endlich im Arm zu halten. Aber es war gar nicht so ein magischer Moment, wie man das in Filmen sieht oder erzählt bekommt. lch dachte, etwas stimmt nicht mit mir.“

Die Geburt eines Kindes bringt einen tiefgreifenden, unumkehrbaren Wandel mit sich. Aus der Frau wird eine Mutter. Diesen Übergang muss sie erst meistern; das passiert nicht schlagartig mit der Geburt, sondern es erfordert einen längeren Prozess, der mit der Schwangerschaft beginnt und sich im engen Kontakt mit dem Kind weiterentwickelt. Sich auf diese neue Lebensphase einzulassen bedeutet auch, von der früheren Abschied zu nehmen.

Verunsicherung und Ängste sind normale Begleiter in dieser Zeit, in der noch wenig reibungslos funktioniert im Team zwischen Mutter und Baby und sie erst lernen muss, mit ständigen Unterbrechungen im Schlaf zurechtzukommen. Die „Heultage“ sind Ausdruck und Ventil dafür. Sie gehen bei den allermeisten Frauen von selbst vorbei, wenn alle Körperfunktionen und auch die Emotionen allmählich eine neue Balance finden. Als hilfreich erleben Frauen jetzt, wenn sie über ihre Gefühle sprechen können und bei ihrem Partner, einer Freundin, in der Familie Verständnis, Geduld und Unterstützung finden. Auch das Wissen einer einfühlsamen Nachsorge-Hebamme kann die Frauen und ihr Umfeld jetzt sehr entlasten.

Nützliche Informationen und Adressen von Selbsthilfegruppen und Fachleuten zu Babyblues & Co. finden betroffene Paare unter
www.schatten-und-licht.de

Manche junge Mütter trifft es allerdings härter. Ihr Kind kommt ihnen fremd vor; sie fühlen sich nicht in der Lage, es zu versorgen, können nicht schlafen, kämpfen mit Angst, Panik und Schuldgefühlen. Spätestens nach zwei Wochen sollten sie selbst oder ihre Angehörigen dann ärztliche Hilfe suchen.

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