Freitag, 11:23 Uhr

November 2026

Eltern am Limit – Auswege aus dem Hamsterrad

Eltern am Limit – Auswege aus dem Hamsterrad
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Im Moment überfordert mich der Familienalltag total. Ich komme dauernd an meine Grenzen und meine Nerven liegen schnell blank. Deswegen streite ich mich häufig mit meinen Kindern (5 und 8 Jahre). Das belastet mich sehr – zusätzlich zu unserem ohnehin stressigen Alltag. Wie komme ich raus aus dieser Tretmühle? (Fabienne, 41)

Das Wichtigste zuerst: Wer müde und ausgelaugt ist, reagiert oft gereizt. Deshalb sind Sie keine schlechte Mutter! Sondern es zeigt, dass Sie gerade sehr viel zu tragen haben. Eltern sind keine Roboter, die 24 Stunden rund um die Uhr perfekt funktionieren. Auch sie haben eigene Bedürfnisse. Deshalb ist richtig und wichtig, sich selbst in den Blick zu nehmen und sich zu fragen:

  • Was kostet mich im Alltag besonders viel Kraft?
  • Was brauche ich, damit es mir wieder gut geht?

Selbstfürsorge ist nicht egoistisch. Sie dürfen sich im Alltag kleine Oasen gönnen. Um den leeren Akku wieder ein paar Prozent aufzuladen, braucht es oft gar nichts Großes: Eine Tasse Kaffee zwischendurch, ein paar Mal tief durchatmen, den Lieblingssong hören … Erlauben Sie sich Ihre Me-Time-Momente, ohne dabei zu denken: „Dieses und jenes könnte, sollte, müsste erledigt werden.“

Stress kindgerecht erklären

Nehmen Sie dabei Ihre Kinder mit ins Boot: Und zwar, bevor der nächste Streit vom Zaun bricht. Erzählen Sie den beiden in einem ruhigen Augenblick, wie es Ihnen geht und wie sie sich fühlen:

„Ich habe die letzte Zeit auf der Arbeit und auch hier zuhause total viel zu tun. Weil ich gestresst und müde bin, meckere ich viel schneller als sonst. Ich möchte mich überhaupt nicht mit euch streiten, sondern viel lieber schöne Zeit mit euch verbringen. Wenn ich euch sage, dass ich eine kurze Pause brauche, könnt ihr mir riesig helfen, indem ihr ein Weilchen alleine spielt. Wir könnten dazu einen Timer stellen. Wenn der klingelt, wisst ihr, dass mein ‚Akku‘ wieder ein bisschen voller ist.“

So können die Kinder Sie verstehen und unterstützen. Das ist auch deshalb wichtig, damit die beiden Ihre Gereiztheit nicht auf sich selbst beziehen und keine Schuldgefühle entstehen.

Verantwortung teilen

Entlasten kann auch die Frage: „Wem gehört eigentlich das Problem?“ Denn: Eltern sind nicht immer dafür zuständig, alle Alltagsprobleme in der Familie zu lösen. Sondern die Person, der das Problem „gehört“, ist für die Problemlösung zuständig. Ein Beispiel:

Morgens findet Ihr 8-jähriges Kind seine Sportsachen (mal wieder) nicht, die es für den Sportunterricht braucht. Eigentlich müsste es dringend los, um rechtzeitig zur Schule zu kommen. Wem gehört jetzt dieses Problem? – Dem Kind! Wenn es in der Schule seine Sportsachen nicht dabei hat, muss es die Konsequenzen tragen. Flitze ich nun als Mama genervt durchs Haus, um die Sachen zu suchen, halse ich mir eine zusätzliche Aufgabe auf. Und das, obwohl es eh schon stressig genug ist. Darin steckt einerseits wieder Konfliktpotenzial, das zu einem Streit führen kann. Andererseits signalisiere ich dem Kind: Du musst dich nicht kümmern, denn da gibt es ja jemanden, der dein Problem für dich erledigt. Das heißt nicht, dass mir das Problem meines Kindes egal ist. Doch indem ich bei der Problemlösung „nur“ unterstütze, statt alles selbst zu regeln, fördere ich die Selbstständigkeit meines Kindes und entlaste dabei mich selbst. Eine Möglichkeit wäre, mit Ihrem Kind zu vereinbaren, dass es die Schulsachen schon am Vortag packt – oder die Sporttasche einen festen Ort bekommt, wo sie leicht zu finden ist.

Sich helfen lassen

Selbstfürsorge ist das eine. Verantwortung den Kindern zu überlassen, das andere. Wozu ich Sie außerdem ermutigen möchte, ist, sich Unterstützung zu holen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortungsbewusstsein. Verwandte, Freund:innen, Nachbar:innen, andere Mütter und Väter springen meist gerne ein, wenn man offen um Hilfe bittet. Schon ein Viertelstündchen freie Zeit für einen kurzen Spaziergang, um den Kopf wieder frei zu bekommen, kann viel bewirken. Nicht große Sprünge bringen uns auf Dauer vorwärts, sondern kleine, wohlüberlegte Schritte:

  • Ich lasse eine Aufgabe bewusst liegen, wenn mir die Kraft fehlt.
  • Ich nehme mir jeden Tag einen kleinen Moment, in dem ich wahrnehme, wie es mir geht.
  • Ich übertrage den Kindern eine überschaubare Aufgaben, die sie selbstständig übernehmen dürfen.
  • Ich muss nicht alles alleine machen. Ich bitte um Unterstützung und hole mir Hilfe.

Sebastian Wurmdobler
Gemeindereferent und Kess-erziehen-Kursleiter

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