Freitag, 23:45 Uhr

September 2023

Machtkämpfe vermeiden: Wie Kinder lernen zu kooperieren

Machtkämpfe vermeiden: Wie Kinder lernen zu kooperieren
SarahRichterArt auf Pixbay

Unser Sohn Jan (5 Jahre) weiß genau, dass er erst nachmittags eine halbe Stunde ans Tablet darf. Trotzdem will er immer wieder auch vormittags dran. Mich nervt das. Oft streiten wir deswegen. Meistens spreche ich dann ein Machtwort und drohe mit Verboten. Diese dauernden Machtkämpfe rauben mir viel Energie. Welche Alternativen gibt es? (Anja 32 Jahre)

Ja, Machtkämpfe zerren an den Nerven! Weil wir dabei an unsere Grenzen kommen. Und wenn wir irgendwann nicht mehr weiterwissen, sprechen wir ein Machtwort. Damit ist der Streit zwar beendet. Trotzdem fühlt sich das (meistens) nicht gut an. Das Kind ist gekränkt – und uns als Eltern geht’s ähnlich. Wir sind enttäuscht vom Verhalten des Kindes. Und wir sind enttäuscht von uns, weil wir so nicht sein wollen. Wie also können wir das Kind zur Kooperation (Mitwirkung) gewinnen, statt zu verbieten und zu strafen?

Ein Nein akzeptieren

Manchmal gibt es Zoff, weil das Kind nicht versteht, wieso Mama oder Papa zu seinem Anliegen Nein sagen. Das hieße auf Jan bezogen: Er fragt immer wieder nach, ob er ans Tablet darf, weil er nicht weiß, wieso Sie ihm Grenzen setzen. Was also braucht Jan, um Ihr Nein zu akzeptieren? Und was steckt eigentlich hinter Ihrem Nein? Oder, konkret gefragt: Was ist beim Tablet schauen am Nachmittag für Sie anders als zu anderen Zeiten am Tag?

Sagen, was Sache ist

Der Schlüssel, um Kinder zur Kooperation zu gewinnen ist: sich als Eltern im Klaren über das eigene Anliegen zu sein. Dabei geht es um das Wohl des Kindes, um Werte oder um Bedürfnisse anderer, auch um die von Mama und Papa. Kinder benötigen eine klare Positionierung von Seiten der Eltern. Eine Positionierung, die verdeutlicht, um was es uns geht. – Also eine klare Antwort auf die Frage: „Was ist mein/unser Anliegen?“ Für das Kind ist es entscheidend, das zu wissen. Und zwar immer dann, wenn wir Grenzen setzen. Oder wenn es um ein erwünschtes Verhalten geht, das wir vom Kind erwarten.

Was steckt hinter dem Nein?

Warum also darf Jan erst am Nachmittag seine Lieblingsserie am Tablet anschauen? – Eine mögliche Antwort wäre: „Wenn Jan Tablet schaut, liegen wir zusammen auf dem Sofa. Diesen Moment nutze ich gerne, um mich kurz mal auszuruhen.“ Hier steckt das berechtigte Bedürfnis sich zu entspannen hinter dem Nein. Mit diesem Anliegen kann ich argumentieren, mich positionieren. Weil Jan weiß, worum es mir eigentlich geht, kann er verstehen und nachvollziehen. Und weil er Sie versteht, fällt es ihm leichter mitzuwirken bzw. sich einzuklinken.

Fairness & Respekt wahren

In der Erziehung geht es nicht um Sieg oder Niederlage. Sondern um einen fairen und respektvollen Umgang miteinander. Das eigene Anliegen zu kennen, sich damit klar zu positionieren und Kinder so zur Mitwirkung zu gewinnen, gibt Halt und Orientierung. Nicht die Sanktion/Strafe oder ein Deal sollen Kinder zum Handeln bewegen, sondern ich als Person mit meinem Anliegen. Denn so kann sich ein Kind „selbstwirksam“ erleben.

Sebastian Wurmdobler
Gemeindereferent und Kess-erziehen-Kursleiter 

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